Isabell Wunder ist Anwältin am Münchner Standort und gibt uns heute einen Einblick über ihren Berufseinstieg im Immobilienrecht.

Sie sind nun seit fast zwei Jahren bei Noerr tätig. Wie sind Sie damals zu Noerr gekommen?
Ehrlicherweise stand Noerr zu Beginn meiner Bewerbungsphase noch nicht auf meiner Liste. Das liegt aber vor allem daran, dass ich ursprünglich zur Justiz wollte und den Entschluss, den Karriereweg der Rechtsanwältin einzuschlagen erst recht kurzfristig gefasst habe. Als ich mir einen Überblick über potenzielle und interessante Kanzleien verschafft habe, bin ich ganz schnell auf Noerr aufmerksam geworden, habe mich in das Kanzleiprofil eingelesen und mich unmittelbar danach beworben.
Und bei Noerr hatte ich dann tatsächlich auch mein erstes Bewerbungsgespräch.

Und warum dann ausgerechnet Immobilienrecht? Hatten Sie vorher schon einmal Berührungen mit dem Immobilienrecht?
Wie auch bei der Auswahl der Kanzlei war ich bei meinem Fachbereich noch völlig offen und unvoreingenommen. Berührungspunkte mit dem Immobilienrecht hatte ich mit Ausnahme der für die beiden Staatsexamina erworbenen Grundkenntnisse bislang nicht. Ich war also in jeder Hinsicht eine Quereinsteigerin! (lacht)
Weshalb ich mich letztlich für Immobilienrecht entschieden habe, weiß ich noch ganz genau. Entsprechend der damaligen Stellenausschreibung hatte ich mich bei Noerr ausschließlich auf Immobilienrecht beworben. Frau Pospich, Partnerin der Kanzlei und Leiterin der Real Estate Investment Group, hat die Tätigkeiten, die mich im Immobilienrecht erwarten, sehr anschaulich im Bewerbungsgespräch dargestellt. Insbesondere gefiel mir, dass es ein vielfältiges Tätigkeitsgebiet ist und es sich in unserem Bereich immer um etwas Greifbares und Fassbares handelt. Denn wir haben stets eine Immobilie oder zumindest ein Grundstück, auf dem ein neues Objekt errichtet werden soll, vor Augen. Das hat mich auf Anhieb begeistert. Ich mag es, wenn man „sieht“, was man tut.

Und wie ist das dann als Berufseinsteiger: wird man direkt ins kalte Wasser geworfen oder erst einmal geschont?
Im Bewerbungsgespräch wurde ich bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Einarbeitungszeit nicht allzu lang sein wird und ich wohl recht schnell ins kalte Wasser geworfen werde. Das hat mir in diesem Moment und auch dann, als es tatsächlich los ging, schon ein wenig Bauchmerzen bereitet. Gerade auch, weil ich keine Vorerfahrung mit dem Leben in einer Großkanzlei und keine tieferen Kenntnisse in meinem Fachbereich hatte.
Im Nachhinein kann ich aber sagen: das Wasser, in das ich geworfen wurde, war mindestens lauwarm und es war immer ein Rettungsanker da.

Das klingt interessant. Wie sah der Wurf in das wärmer als gedachte Wasser genau aus?
Ich wurde von Tag 1 an wirklich gut an die Hand genommen und habe schnell einen ersten Überblick über die wesentlichen Aufgaben bekommen. Meine Einarbeitung war sehr individuell und ich habe zu jeder meiner Aufgaben konstruktives Feedback bekommen, das ich bei weiteren Aufgaben meist gut umsetzen konnte. Als sich mein Team sicher war, dass ich bereit bin – wobei mein Team das zugegebenermaßen eher wusste als ich – hatte ich via E-Mails und Telefonaten den ersten direkten Mandantenkontakt. Das war wirklich aufregend! Natürlich wusste ich nicht von Beginn an alles und war nicht vollkommen souverän. Das ist auch jetzt zum Teil noch so. Aber ich denke, das gehört beim Berufsstart dazu. Wichtig ist, dass man sich traut. Und mit jeder Aufgabe, jedem Telefonat, jeder Woche, wurde und wird es immer mehr zum Alltag, ich werde souveräner und gewöhne mich allmählich daran.
Das Schöne und für mich auch Wichtige ist, dass ich mich bei Nachfragen auch an Kollegen mit einer höheren Seniorität wenden kann, die mir sowohl in fachlicher als auch in persönlicher Hinsicht mit Tipps, z.B. zum richtigen Umgang mit Mandanten, hilfsbereit zur Seite stehen. Das meinte ich vorhin mit meiner Aussage, dass es immer einen Rettungsanker gibt. Diese Hilfsbereitschaft und das starke Wir-Gefühl hat mir bei meinem Berufseinstieg bei Noerr wirklich geholfen.

Wenn Sie von „Team“ sprechen, wie viele Personen in welcher Seniorität und an welchen Standorten oder aus welchen Disziplinen sind dann eigentlich gemeint?
Mein „Kernteam“ in München ist eher klein und überschaubar und besteht aus 4-5 Personen. Das Team der Real Estate Investment Group selbst ist um einiges größer.
Ich arbeite auch regelmäßig mit Immobilienrechtlern anderer Standorte und Kollegen aus anderen Fachbereichen zusammen, insbesondere zum Beispiel dann, wenn der Bereich Corporate Unterstützung im Rahmen einer Due Diligence benötigt.
Genauso arbeite ich zudem mit anderen Kollegen, wenn wir Unterstützung für eine Due Diligence-Prüfung im Rahmen einer Immobilientransaktion benötigen. Bei einer solchen Due Diligence werden allerlei rechtliche Themen geprüft und analysiert und sodann wird eine Risikobewertung abgegeben. Dies ist für den Mandanten von hoher Bedeutung, damit er die Risiken zum einen wirtschaftlich gut abschätzen kann, als auch sind die Ergebnisse der Due Diligence sehr wichtig für die Gestaltung des Kaufvertrages.
Meine Aufgabe bei der Due Diligence ist die Prüfung all der Dinge, die mit dem Mietrecht und Eigentum am Grundstück zusammenhängen. Unterstützung bekommen wir dann meist aus den Bereichen des Öffentlichen Rechts, des Steuerrechts und je nach Transaktionsstruktur auch des Gesellschaftsrechts. Das ist das Tolle an der Arbeitsaufteilung bei Noerr. Jeder beschäftigt sich mit dem Bereich, auf den er spezialisiert ist und den er am besten kann. Vor allem auch durch solche Transaktionen ist es mir leicht gefallen, schnell Kontakte zu knüpfen und mich mit Kollegen zu vernetzen. Trotzdem sollte man nicht vergessen, sein Netzwerk auch aktiv aufzubauen.

Wie kann man sich aktiv vernetzen? Haben Sie Tipps?
Am Anfang wusste ich leider nicht so recht, wie ich das anstellen sollte. Aber Noerr bietet diverse Veranstaltungen, die für mich eine gute Starthilfe waren. Zum Beispiel habe ich sehr von den Veranstaltungen profitiert, welche im Rahmen des Personalentwicklungsprogramms „Noerr Campus“ angeboten wurden. Hier habe ich zusammen mit anderen Associates aus anderen Standorten im vergangenen Jahr teilgenommen. Bei Noerr Campus ging es in meinem Stadium als Associate vor allem um meine neue Rolle als „Berater“.
Zudem gab es 2019 eine „REIG-Academy“, bei der Mitglieder der Real Estate Investment Group (REIG) aus den verschiedenen Standorten am Tegernsee zusammengekommen sind und bei der es – neben diversen tollen Freizeitaktivitäten – vor allem auch darum ging, sich durch Fachvorträge weiterzubilden. Die Academy war für mich als Neuling ganz besonders spannend, da ich die Möglichkeit hatte, Kollegen persönlich kennenzulernen, die ich bisher nur aus E-Mails oder Telefonaten kannte.
Aber auch sonst bietet Noerr in normalen Zeiten, d.h. außerhalb von Coronazeiten, immer wieder Möglichkeiten, weitere Kollegen kennenzulernen, wie z.B. bei gemeinsamem Get-Togethers am Freitagmittag.

Wie eng ist Ihr Kontakt mit dem vorhin erwähnten Kernteam?
Ich würde unseren Kontakt als sehr eng beschreiben. Dies auf jeden Fall auf fachlicher, professioneller Ebene. Aber auch für persönliche Gespräche bleibt meist ein wenig Zeit, sodass es mir von Beginn an sehr leicht gefallen ist, mich in meinem Team willkommen und wohl zu fühlen.

Hat Corona einen Einfluss auf diesen Kontakt?
Aktuell stellt uns Corona vor große Herausforderungen, da Begegnungen im Büro oder gemeinsame Mittagessen derzeit nicht möglich sind. Im Lockdown arbeiten wir momentan komplett im Home Office. Aber auch außerhalb der Lockdownphasen gibt es eine Gruppeneinteilung, sodass die Büros immer nur maximal zur Hälfte besetzt sind. Und selbstverständlich müssen in Büros persönliche Kontakte so weit wie möglich reduziert und eingeschränkt werden. Das ist wohl für keinen von uns, unabhängig von Beruf und Branche einfach.
Mittlerweile haben wir uns im Team dennoch gut arrangiert und halten unter anderem durch wöchentliche Telefon- oder Videokonferenzen den Kontakt aufrecht. Die gemeinsame Arbeit im Büro kann es – zumindest auf Dauer – aus meiner Sicht allerdings nicht ersetzen.

Welche Tätigkeiten sollte man gerne machen bzw. gut können, wenn man im Immobilienrecht als Anwalt/Anwältin erfolgreich werden will?
Man sollte keine Abneigung gegen lange Mietverträge mit seitenweisen Anlagen haben, die man im Rahmen einer Due Diligence eingehend prüfen muss (lacht). Aber Spaß beiseite. Die Prüfung der Mietverträge ist weniger schlimm als es jetzt vielleicht klingt und macht im Gegenteil meist auch viel Spaß.
Wichtig ist vor allem Motivation und Spaß am Miet- und Immobilienrecht zu haben. Mehr als Grundkenntnisse in diesem Bereich hatte auch ich bei meinem Einstieg nicht. Die fachliche Expertise eignet man sich mit der Zeit an.
Wichtig ist außerdem, wobei das für alle Fachbereiche gilt: Qualität geht vor Quantität. Es ist viel besser, für eine Aufgabe länger zu brauchen und die Aufgabe dafür ordentlich zu bearbeiten, damit nicht irgendetwas durchrutscht. Der Faktor Zeit spielt zu Beginn eine untergeordnete Rolle. Dass man mit der Zeit schneller wird bzw. auch schneller werden muss, ergibt sich dann von ganz alleine. Das habe auch ich in den letzten Monaten bei mir bemerkt.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?
Einen typischen Arbeitsalltag gibt es bei mir nicht. Das liegt vor allem daran, dass es immer andere Aufgaben gibt, die zu erledigen sind. Mein Alltag gestaltet sich daher als sehr vielfältig und abwechslungsreich.
Steht zum Beispiel eine neue Due Diligence an, verbringe ich einen Großteil der Arbeitszeit damit, Grundbuchauszüge, Mietverträge, etc. auszuwerten.
Natürlich sind regelmäßig auch Nachträge zu Mietverträgen zu entwerfen oder zu überarbeiten und muss bei rechtlichen Fragestellungen unserer Mandanten manchmal intensiv recherchiert werden.
Zum Teil arbeite ich zudem an Entwürfen von Kaufverträgen und Mietverträgen mit, was eine wirklich spannende Aufgabe ist und bei der ich immer etwas dazu lerne.

Haben Sie oft mehrere Mandate gleichzeitig oder dominiert eines?
Es gibt in der Regel mehrere Mandate gleichzeitig. Je nach Mandat kommt es aber auch vor, dass ein Mandat viel Zeit in Anspruch nimmt und daher zeitweise dominiert.

Gab es Momente, in denen Sie gezweifelt haben, ob dieser Job der richtige für Sie ist?
Ja, natürlich! Ich denke aber, das ist gerade zum Berufsstart ganz normal. Alles war vollkommen neu. Ich habe immer wieder anspruchsvolle Aufgaben bekommen, die mich oft vor große Herausforderungen gestellt haben, da ich manchmal nicht wusste, wie ich an die Aufgaben herangehen und sie lösen sollte. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als das erste Mal ein Grundbuchauszug mit vielen Eintragungen vor mir lag und ich erst einmal herausfinden musste, wie ein solcher Auszug auszuwerten ist.
Vor allem am Anfang habe ich mich daher zum Teil überfordert gefühlt. Zum Glück hat sich das ganz schnell gelegt. Zum einen gab es immer jemanden im Team, den ich fragen konnte, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Zum anderen habe ich mit jeder neuen Aufgabe dazu gelernt und habe bei manchen Dingen schnell eine Routine entwickeln können.
Aus meinem Berufsstart nehme ich auf jeden Fall mit, dass man sich selbst fordern und stets sein Bestes geben muss, aber gerade am Anfang keine überhöhten Anforderungen an sich selbst stellen sollte. Ansonsten steht man sich nur viel zu sehr selbst im Weg.

Gibt es einen Moment/ein Ereignis, wo Sie gemerkt haben, dass dieser Job genau der richtige für Sie ist?
Den einen Moment gibt es nicht. Vielmehr gibt es immer wieder kleine Momente, in denen ich merke, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.
Einmal gab es einen solchen Moment, als ich zum ersten Mal ein Mandat fast ganz selbständig zu Ende gebracht habe und sowohl der Mandant als auch das Team mit meiner Leistung sehr zufrieden waren. Da habe ich gemerkt: Ich kann es.
Aber auch die Momente, in denen sich beispielsweise ein Mandant im Telefonat bei mir für die angenehme und reibungslose Zusammenarbeit bedankt, zeigen mir, dass ich den richtigen Beruf gewählt habe.
Diese kleinen Momente motivieren mich immer wieder und steigern natürlich die Freude an meiner Arbeit.

Vielen Dank, Frau Wunder!

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