Frau Ira Tsoures ist seit 2018 Anwältin bei Noerr und berät am Berliner Standort im Bereich Gesellschaftsrecht / Mergers & Acquisitions. Im Folgenden berichtet sie über die Arbeit im Fachbereich Corporate und ihren Alltag als Anwältin bei Noerr.

Bevor ich als Rechtsanwältin anfing, hatte ich beim Anwaltsberuf oft bildhaft einen Hahnenkampf vor Augen. Streitlustig, stolz und einzelkämpferisch. Für mich war deshalb klar, dass ich als Rechtsanwältin lieber Neues mitaufbauen will und Partnerschaften dabei unterstützen will, erfolgreich zu sein. Mir gefällt die Aufbruchstimmung, wenn man in einem Erstgespräch mit Mandant:innen sitzt, die vorfreudig berichten, dass sie die nötigen Akteure an Bord und Mittel gesammelt haben für ein Projekt.

Im Alltag als Anwältin im Gesellschaftsrecht/M&A gibt es zum Glück mehr als nur Streit. Vieles läuft über E-Mails, die an manchen Tagen im Minutentakt eingehen. Eine Anfrage, ob die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft virtuell stattfinden kann und was dafür zu beachten ist. Dann beginne ich einen Entwurf für eine Gesellschaftervereinbarung aufzusetzen für eine geplante Kooperation. Wir verhandeln auf Englisch einen Vertrag, damit ein Unternehmen erworben wird. Ein Anruf beim Notariat, um letzte Fragen vor der Beurkundung der Verschmelzung zweier Unternehmen zu klären. Und manchmal muss ich doch die Schiedsgutachterklausel im Vertrag raussuchen, weil es Unstimmigkeiten gibt, die sich nicht lösen lassen.

Den Zeitpunkt, ab dem man den ersten Mandantenkontakt hat und die Kanzlei stolz nach außen repräsentiert, kann man da schon einmal vergessen. Als Teil des Teams ist es selbstverständlich gewesen, dass ich von Anfang in E-Mail-Verteilern aufgenommen wurde und sehr bald gibt es dann auch Gelegenheit, selbst zu schreiben. Nach einem halben Jahr bei Noerr haben eine Kollegin (die 1-2 Monate dabei war) und ich bei einem mehrstündigen Termin gemeinsam mit Vertretern der Mandantin erarbeitet, wie wir den Sachverhalt für ein späteres streitiges Verfahren sortieren und kategorisieren können. Eigentlich beschreibt der Begriff Mandantenkontakt nicht genau, dass es oft noch mehr Beteiligte sind, mit denen man es zu tun hat. Man muss mit der Verkäuferseite einen Kompromiss erzielen. Vielleicht wollen weitere Investoren sich beteiligen oder das Projekt hängt von der Finanzierung einer Bank ab. Manche Transaktionen bedürfen wiederum der Zustimmung von Behörden.

Allein bin ich dabei nicht. Bei einer komplexen Transaktion kümmern wir Gesellschaftsrechtler:innen uns auch um das Projektmanagement. Für Steuerrechtsfragen binden wir das Tax Team ein. Oder unsere Arbeitsrechtler:innen entwerfen Anstellungsverträge für die neue Geschäftsführung. Sind ausländische Gesellschaften involviert, nehmen wir Kontakt zu Partnerkanzleien auf. Man muss lernen an Referendar:innen zu delegieren und ist dankbar, wenn die Assistenz parallel das Anlagenpaket für einen Vertrag erstellt. Es ist nicht unüblich, dass sich ein Noerr-Transaktions-Team aus mehreren Standorten zusammensetzt. Ich arbeite beispielsweise schon seit knapp einem Jahr auch sehr gerne mit unserem Corporate Team in Düsseldorf.

Das spannende am Anwaltsein ist aber auch, dass es weitaus mehr ist als die Beziehung zum Mandat. In einer Großkanzlei geht es ebenso um unternehmerische Fragen. Sofern man selbst eine Portion Eigeninitiative mitbringt, kann man verschiedenste Ideen umsetzen. Zusammen mit Kolleg:innen haben wir vergangenes Jahr ein Sustainability Team bei Noerr ins Leben gerufen und wollen Noerr dabei begleiten, ein Stück weit nachhaltiger zu werden.

Bei all dem weiß ich, dass die Aufgaben nicht abschließend sind und ich immer Neues lerne. Es ist noch ein Weg hin, bis man ein schwieriges Mandat allein verantwortlich betreuen kann oder auf einem Rechtsgebiet Expert:in ist. Aber das Federkleid kann ja noch bunter werden.

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